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Da bist Du doch nicht der Typ für, oder, die Geschichte meiner Depression

#1 Prolog

Wie schreibt man über Depressionen ohne Mitleid oder ähnlich überflüssige Reaktionen zu provozieren? Schwierig, das kann ich Euch direkt schon sagen. Man will ja sein persönlichstes nach außen kehren. Dabei die Familie nicht verletzen, niemanden vor den Kopf stoßen , Menschen aus der Vergangenheit nicht in einem falschen Licht darstellen und überhaupt! Teilweise ist ja etwas inflationär andere mit diesem Thema zu konfrontieren. Wir haben ja einige “Vorzeigedepressive” die durch die Medien geistern. Es ist immer toll und bewundernswert wenn jemand mit seiner Erkrankung in die Öffentlichkeit geht. Von wegen Aufklärung und so. Und um diesem Thema eben dieses inflationäre zu nehmen. Trotzdem wird es der Erkrankung  niemals gerecht.

Warum? Weil jeder Mensch anders tickt und somit auch jedes Krankheitsbild ein anderes ist. Wenn ich es drauf anlege, ist nichts leichter als Gesprächspartner mit diesem Thema in die Flucht zu schlagen. Es ist nicht greifbar, man sieht es mir nicht an, ich hab keinen Verband um den Kopf gewickelt und mein vollends zerstörter Glaube an die ewige Liebe ist auch nicht sichtbar. Kein Gips ums Herz. Keine Schiene um die Seele.

Und das ist unheimlich für die Meisten. Wird abgetan als Liebeskummer, als Hang zur Dramatik, als Simulation.
Ja, tatsächlich, erst einmal neugt sich der Kopf des Gegenübers leicht zur Seite, es wird ein “ah, ja, so eine Phase hatte ich auch schon”, wahlweise auch: “die Tante meiner Großmutter, väterlicherseits war 1927 auch mal in einer Klinik” gemurmelt und dann wünscht sich der unfreiwillige Zuhörer auch schon ein wichtiges Telefonat herbei.

Gut, meist verstehe ich das sogar, haben manche Menschen doch sofort eine Art ” Blitzüberforderung” wenn ich nur ansatzweise aus meinem Leben erzähle. Das geht sogar den Therapeuten manchmal so, da brauch ich mir nix vor zu machen. Es gibt halt Leben die sind eine recht willkürliche Ansammlung von Kathastrophen. Jetzt nicht unbedingt diese lustigen Katastrophen die man bei YouTube bewundern kann, sonder schon  so richtige Faustschläge in die Magengegend die bereits einzeln reichen ein Leben aus der Bahn zu werfen.
Da ich mich ja grundsätzlich ungern mit Kleinscheiß beschäftige dürft Ihr nun raten was bei mir so los war… haha.
Dazu hat so manche Depression ja noch die Eigenschaft sich mit der Zeit kleine Geschwister zuzulegen. Da kommen dann eventuell noch Panikattacken, Angstzustände oder sonstiges hinderliche dazu.

Erklär einem nicht Betroffenem mal wie es ist wenn sich ALLES in deinem Leben verändert, wenn Du Dich nicht mehr auf Dich selbst verlassen kannst, keine Kraft mehr da ist. Du dich manchmal nicht bewegen kannst weil Dein Körper nicht mehr mit macht.Du das Haus nicht verlassen kannst, weil du die körperlichen Symptome eines nahenden Todes spürst und felsenfest davon überzeugt bist zu sterben wenn du auch nur einen Fuß vor die Tür setzt. Das bildet man sich nicht ein, ne, das fühlt sich genau so an.

Die Folgen sind Arbeitsunfähigkeit, sozialer Abstieg, Isolation.
Und das mangelnde Selbstvertrauen das sich so Stück für Stück einschleicht sorgt auch dafür das du dann zu allem Überdruss auch noch ein Problem mit Deiner eigenen Glaubwürdigkeit bekommst. Immer wieder gilt es sich zu rechtfertigen, Beim Partner, bei der Familie, beim Arbeitgeber. Da sind wir wieder beim Inflationären, das ist genau wie mit Rückenschmerzen. Das Schlagwort:” Ich hab Rücken” hat halt auch dafür gesorgt as furchtbare Erkrankungen in diesem Bereich oft und gerne Belächelt werden.
Frauen erkranken ungefähr doppelt so häufig an Depressionen wie Männer. Frauen haben aber auch eine deutlich bessere Prognose, da sie für die verschiedenen Therapien meist offener sind als Männer. Das beginnt damit sich die Erkrankung einzugestehen und um Hilfe zu suchen. Regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die ja meist nur zur Unterstützung der Therapien angewendet werden, ist auch eher so ein Frauending.
Unser Gesundheitssystem und die Wirtschaft wird jährlich mit fast 22 Milliarden Euro durch psychische Erkrankungen belastet. Inzwischen sind die Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen auf ca. 25 % angestiegen. Tendenz steigend.
Daraus entstehen für den Betroffenen neue Probleme. Wartezeiten von bis zu einem Jahr für eine ambulante Therapie sind keine Seltenheit.Klinikaufenthalte bei akuten Phasen sind ebenfalls mit Warten verbunden. Da biste schon fünfmal von der Brücke gehüpft ( bildlich gesprochen) bis du Hilfe bekommst.

Dieses alles zusammengefasst ist der Grund warum ich hier diese Serie entstehen lasse. Ihr sollt Einblick bekommen wie es gehen kann, subjektiv, aus meiner Sicht, mit der festen Absicht objektiv zu bleiben. Aufzuklären, Angst zu nehmen und andere zu ermutigen sich vielleicht helfen zu lassen.Angehörigen zu helfen zu verstehen. Trotzdem wird es immer nur meine Geschichte sein. Also fragt nach, gebt die Betroffenen nicht auf. Sie brauchen Euch jetzt mehr denn je.
Begleitet mich auf diesem Weg, wenn Ihr mögt, hinterlasst ein Feedback, stellt Fragen. Diese Serie lebt vom Dialog mit Euch. Ich freue mich drauf.

Herzlichst
Rita

 

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